Unsere inneren Stimmen

Wer bestimmt eigentlich mein Leben?
Jeder kennt diese besonderen Extreme:

„Leben deinen Traum!“
„Lass das sein, wenn dir dein Leben lieb ist!“
„Das passt nicht zu dir!“
„Wenn nicht jetzt, wann dann?“
„Gelegenheiten muss man beim Schopfe packen!“

Es sind nicht nur die Menschen um uns herum, die uns solche Botschaften senden, nein, diese unterschiedlichen Charaktere wohnen auch in uns selbst. Sie vermitteln uns zu jeder Zeit und am jedem Ort unterschiedlichste Botschaften, sie entscheiden oft über unser tatsächliches Handeln. Übrigens senden uns unsere eigenen kleinen Charaktere oft auch unterschiedliche und widersprüchliche Botschaften; damit machen wir uns oft selbst einem Film, in dem wir mit zwei oder mehr Regisseuren gleichzeitig Regie führen.

Der Träumer in uns sorgt für Fortschritt und Evolution

Der Träumer in uns sorgt für Fortschritt und Evolution

Wir bestimmen unser alltägliches Leben in hohem Maße selbst, treffen Entscheidungen und erleben die Konsequenzen unseres Handelns.

Die Stimmen in uns helfen uns dabei, Entscheidungen zu treffen. Sie tun das, ohne dass wir sie darum bitten müssten; sie sind einfach da, sie mischen sich überall ein.
Interessanterweise neigen wir Menschen jedoch zu unterschiedlichen Entscheidungen in ein und derselben Situation, was darauf zurückzuführen ist, dass wir unterschiedliche Stimmen in uns tragen, dass diese unterschiedlich dominant sind und dass wir auf die einen mehr hören, auf die anderen weniger. Verglichen mit vielen Radios, die nebeneinanderstehen, unterschiedliche Sender eingestellt haben und mal lauter, mal leiser sind.

Übrigens kann man den Stimmen und verschiedenen Charakteren in uns keine direkten Fragen stellen; wäre ja schön, wenn man beispielsweise wüsste, wir die eigenen kleine süße Stimme von hinten links heißt oder was sie gerne zum Frühstück isst. Aber obwohl man keine Fragen stellen kann, so kann man doch recht leicht Antworten provozieren, dazu reicht es oft schon, sich in eine aufregende, gefährliche oder ungewohnte Situation hineinzudenken; egal, ob man sie tatsächlich erlebt hat, oder nicht.

Wer sind die Stimmen in mir?

Der Träumer

Der Träumer in uns sagt „was würde wohl passieren, wie aufregend wäre das, was steckt dahinter“.
Er ist die Stimme mit der meisten Kreativität, Neugierde, der Träumer in uns glaubt an das Gute, an neue Möglichkeiten, an Erfüllung und Visionen. Zugleich ist der Träumer der, der gelegentlich gerne mal die Realität oder die Gefahren außer Acht lässt und der auch am mutigsten voran marschiert. Der Träumer ist der „Macher“, er bestimmt meistens, ob wir etwas tun, oder nicht.

Der Zweifler

Den Zweifler hört man oft solche Sachen wie: “Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist”.
Diese Stimme hinterfragt gerne alles, beispielsweise „was wäre, wenn“ oder „lohnt sich das?“.
Der Zweifler unterstellt immer das Schlimmste, was passieren kann, er drückt insbesondere den Träumer gerne mal zurück an die Wand und hält ihm die Konsequenzen des Handelns vor.
Der Zweifler ist derjenige, der an Bewährtem festhält; Neuigkeiten und Spielchen sind ihm ein Graus, Risiko vermeidet er in höchstem Maße.

Der Zweifler in uns bewahrt uns vor großen Fehlern

Der Zweifler in uns bewahrt uns vor großen Fehlern

Der Realist

Der Realist spricht in klaren einfachen Sätzen: „sehen wir den Tatsachen ins Auge“ oder „wenn wir realistisch sind, dann“. Der Realist in uns ist der Planer, der Durchdenker, der Teil in uns, der vorausschauend ist und seine Aufgabe möglichst exakt tun will. Nicht nur der Plan selbst ist für den Realisten wichtig, sondern auch, wie sich der Plan umsetzen lässt, wie viel Geld oder Werkzeug dafür gebraucht wird, wie viel Zeit das kostet, wer helfen muss, usw. Der Realist steht oftmals dem Träumer und dem Zweifler etwas nach, er lässt diesen beiden Schreihälsen gerne mal den Vortritt und meldet sich erst danach zu Wort. Wenn der Realist aber zwischen Träumer und Zweifler wählen müsste, würde er den Zweifler immer bevorzugen. Denn realistisches Handeln senkt Risiken (und das wiederum gefällt dem Zweifler), Träume hingegen sind oftmals unrealistisch, obwohl sie aber auch das meiste Potenzial für Weiterentwicklung und Leidenschaft bergen.
Die Realisten in uns sind also oftmals auch Entscheider; sie moderieren und wägen ab zwischen den Versuchungen und Chancen unserer Träume und den Gefahren und Risiken unseres Handelns.

Der Realist in uns macht die Pläne

Der Realist in uns macht die Pläne

Der Visionär

Der Visionär in uns sagt: „Alles ist möglich, darum lass uns groß denken!“.
Kleinigkeiten und Details passen nicht zu dem Visionär, er sieht stets das große Ganze und darüber hinaus. Der Visionär weiß, dass alles möglich ist und dass nur das Vorangehen zum Ziel führen kann. Er hört zwar die Stimmen des Träumers, des Zweiflers und des Realisten, aber eigentlich sind ihm all diese Äußerungen egal. Wer Großes will, muss Großes wagen; Rückschläge oder Misserfolge können die Reise zwar behindern, aber nicht aufhalten. Im Gegenteil: für den Visionär  gehören Probleme mit zum Leben und es wäre eher ungewöhnlich, wenn es keine gäbe. Die Kunst ist nur, die Probleme zu lösen! Zu einem Visionär schauen wir gerne auf, einem Visionär eifern wir nach: vor allem, wenn er seine Visionen realisiert.
Der Visionär in uns ist die attraktivste, aber auch leiseste und langsamste Stimme.
Dem Trio aus Träumer, Zweifler und Realist gelingt es häufig, den Visionär zu übertönen.
Der Visionär bevorzugt oder benachteiligt, weder den Träumer noch den Zweifler oder Realisten; sehr wohl weiß der Visionär aber, dass er alle drei braucht, um seine Vision erfolgreich erreichen zu können.

Was wird da geredet?

Wenn diese verschiedenen Stimmen und Charaktere in uns verschmelzen, können sie zu einem großen Durcheinander führen, Verwirrung stiften und dadurch zu besonders schlechten Entscheidungen führen. Beispielsweise versteht es der Zweifler besonders gut, einen an sich leicht umzusetzenden Traum durch das Einstreuen von übertriebenen Zweifeln zu vergiften und damit sofort zum Erliegen zu bringen. Trotzdem muss man sich immer darüber im Klaren sein, dass Zweifel, Ängste, Besorgnisse oder Misstrauen ebenso zum Leben gehören, wie Träume, Wünsche und Visionen.

Es gibt Menschen, bei denen setzt sich der Zweifler immer durch. Diese Menschen sind in der Regel ängstlich, zurückhaltend und wenig erfolgreich in allen Dingen. Zu Zweifeln bewahrt uns zwar vor allzu großen Dummheiten, bringt uns aber auch nicht voran.
Andere hingegen verlieren immer ihr ganzes Geld, fallen stets auf alle Verlockungen rein und werden niemals wirklich glücklich; sie lassen sich von ihrem Träumer zu stark beeinflussen.

Die meisten Menschen wissen, welche ihrer Stimmen die dominanteste ist; und das formt schließlich auch ihren Charakter und ihr Erscheinungsbild nach außen. Ein ausgeglichener Mensch wird wahrscheinlich einen guten Mittelweg gefunden haben, seinen inneren Stimmen Gleichgewicht zu schenken. Aber leicht ist das nicht.

Der Visionär in uns setzt Ziele und Zukunft

Der Visionär in uns setzt Ziele und Zukunft

Worauf soll ich hören?

Es gibt für Menschen, deren innere Stimmen eher zur Verwirrung beitragen, als zur Lösung, eine einfache Technik, um aus dem Durcheinander einen sinnvollen Prozess zu machen.
Ein Blatt Papier nehmen, oben die Ausgangslage aufschreiben, unten vierteln und stichwortartig notieren, was die jeweilige innere Stimme zu der Herausforderung zu sagen hat.
Natürlich gefällt dieses Vorgehen dem Realisten in uns ganz besonders gut; aber stehen alle Argumente der Kontrahenten erst einmal auf dem Papier, dann können sie nicht mehr alle durcheinander reden oder sich mit Lautstärke durchsetzen.
Vergleichbar ist das mit einem Theaterstück mit mehreren Schauspielern auf der Bühne: wenn sie alle durcheinander laufen und gleichzeitig sprechen, ist niemand in der Lage, dem Stück zu folgen. Nacheinander und mit eindeutigen Rollen kann der Zuschauer sich ein gutes Bild von dem machen, was wirklich passiert.
Des Weiteren können wir Menschen schließlich durch Nachdenken unsere Triebe, Gefühle und inneren Stimmen überwinden; das ist etwas, was keinem der vier inneren Stimmen gefällt.

Unsere inneren Stimmen sind wichtig, sie bestimmen einen Großteil unserer Entscheidungen und damit unseres Lebens.
Geben wir ihnen also den notwendigen Raum dafür, lassen sie aber nicht tun, was sie wollen.
Auf diese Weise machen wir Kontrahenten zu Freunden und unser Leben zu einer abwechslungsreichen und spannenden Reise.

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Eine Antwort auf Unsere inneren Stimmen

  1. Hm, ich höre zehn Stimmen. 9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen ich bin verrückt. Die
    10te summt die Melodie von Tetris :-P

    Wo gehört das nun hin?

    Im Ernst: Träumer und Zweifler. Und chronisch pleite. Jetzt weiß ich endlich, wer der Stärkere ist *lol*

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