Übers Schlafen

Schlafen ist ein Bestandteil des Lebens; und das in ganz besonderer Weise, immerhin gehören durchschnittlich 7 Stunden des Tages einzig und allein dem eigenen Körper.

Mehr als 200.000 Stunden sind das während eines Menschenlebens: damit ist das Schlafen mit Abstand die umfangreichste Beschäftigung, der wir – gezwungenermaßen – nachgehen.

Schlafen ist etwas Natürliches

Schlafen ist etwas Natürliches

Aber warum schlafen wir überhaupt?
So richtig beantworten kann das noch niemand.
Selbstverständlich dient der Schlaf der Erholung, das spüren wir jeden Tag; aber wieso die Natur gerade den Schlaf für die Erhaltung der körperlichen Gesundheit gewählt hat, bleibt ungewiss.

Übrigens ist die Schlafdauer nicht bei allen Lebewesen gleich; während eine Giraffe schon mit zwei Stunden täglich über die Runden kommt, so muss eine Fledermaus fast 20 Stunden investieren, um für den nächsten Flug wach zu sein.

Wann wir schlafen, wird von vielen Einflüssen bestimmt.

Körperliche Erschöpfung allein führt noch nicht sofort zu Müdigkeit; zu den Faktoren gehören beispielsweise auch die „innere Uhr”, die vom Biorhythmus bestimmt wird oder unsere Alltags- und Arbeitsgewohnheiten.
Auch Hell-/Dunkel-Phasen beeinflussen unser Schlafbedürfnis, wenn gleich deren Bedeutung überschätzt wird: weniger die Lichtmenge ist ausschlaggebend für Müdigkeit, sondern mehr der natürliche Tag-/Nacht-Rhythmus, dem der gesamte Kreislauf der Natur unterworfen ist.

Schlaf kann man nicht planen.

Weder ist es möglich, „vorzuschlafen”, noch kann später eine verlorene Stunde „drangehängt” werden. Allerdings gibt es durchaus individuelle oder auch kulturelle Unterschiede, wann geschlafen wird und wie sich der Schlaf über den Tag verteilt.
In Europa schläft man gewöhnlich nachts, tagsüber wird gearbeitet und die Freizeit gestaltet. Insbesondere in Deutschland findet der Tagschlaf kaum seinen Platz und ist bei Erwachsenen mittleren Alters eher unüblich; ein Nickerchen zwischendurch wird als außergewöhnlich empfunden.
Leicht anders verhält es sich schon bei unseren südeuropäischen Nachbarn, bei denen ein Nachmittagsschlaf (Siesta) zur Kultur und zum Tagesablauf gehört, wenngleich dieser Brauch mit der nach wie vor zunehmenden Globalisierung immer mehr in den Hintergrund rückt.
Ganz anders verhalten sich auch heute noch Völkergruppen in Teilen Afrikas, Asiens oder dem nördlichen Polarkreis: sie verteilen ihre Schlafzeit über den ganzen Tag, wechseln ihre Gewohnheiten je nach Jahreszeit und darüber hinaus schlafen sie oftmals im Freien, in großen Gruppen und nur selten so tief, wie es beispielsweise Europäer tun.

Ein kurzes Nickerchen am Tag kann sehr schön sein.
Es ist gekennzeichnet von schnellem Einschlafen und alleinigem Wiederaufwachen nach ca. 10-30 Minuten; unabhängig davon, wo man sich gerade befindet.

Ein Nickerchen steigert die anschließende Konzentrations- und Leistungsfähigkeit deutlich und verhilft gleichzeitig zu mehr Ausgeglichenheit und Entspannung.

Ein kurzes Nickerchen zwischendurch

Ein kurzes Nickerchen

Eine moderne Form des Nickerchens ist das „Powernapping”, der sogenannte Energieschlaf.
Vorwiegend amerikanische und japanische Unternehmen fördern mittlerweile die kurze Auszeit in der Mittagszeit nach dem Essen, um ihre Mitarbeiter zu motivieren und ihnen auf diese Weise Kraft zu geben. Das größte Problem beim beruflichen Mittagsschlaf sind allerdings nicht die Firmen, sondern die Menschen selbst: es ist ihnen unangenehm, von Kollegen beobachtet zu werden oder überhaupt zuzugeben, dass sie zwischendurch einmal die Augen schließen.

Vielleicht schlafen wir auch nur, damit wir Zeit zum Träumen haben?
Das Träumen ist ein wichtiger Bestandteil des Schlafens; neben lebhaften Bildern und intensiven Gefühlen ermöglicht das Träumen auch das Verarbeiten des am Tag Erlebten. Träume ermöglichen uns zugleich, in unrealistische Welten abzutauchen und Dinge zu erleben, die unwahrscheinlich oder sonst auch unmöglich sind. Obwohl wir schlafen, arbeitet unser Körper aber intensiv während des Träumens. Unabhängig davon, was und wovon wir träumen, bleibt jedoch eine wichtige Tatsache: alles, was ein Mensch im Traum erlebt, kommt ausschließlich aus ihm selbst und setzt sich nur aus seinen eigenen Gedanken, Erinnerungen, Erlebnissen und Wünschen zusammen; auch dann, wenn er nach dem Aufwachen meistens nicht mehr weiß, was er wenige Minuten zuvor geträumt hat.

Die Faszination des SchlafensWarum haben Schlafende eine besondere Wirkung auf ihre Umgebung?
„Wer schläft, kann sich nicht wehren.”
Vielleicht sind es unsere verborgenen und uralten natürlichen Triebe, die dafür sorgen, dass wir einen schlafenden Menschen in einer besonderen Art und Weise erleben und es als reizvoll empfinden, ihn anzuschauen.
Schließlich kann er sich dagegen nicht wehren und seine Hilflosigkeit weckt Neugierde in uns. Der Schlafende wiederum muss in der Regel Vertrauen zu seiner Umwelt haben, wenn er die Augen schließt; denn auch er weiß, dass er sich seiner Umgebung während des Schlafes schutzlos ausliefert.
Das Spiel zwischen vertrauensvoller Hingebung auf der einen und der neugierigen Beherrschung auf der anderen Seite mag der Hauptgrund für den Reiz sein, sich einen schlafenden Menschen anzuschauen.

Die Schönheit und Faszination des Schlafens liegt nicht nur im Äußeren des Menschen:
sondern vielmehr in der Vielfalt, Komplexität und Bedeutung des Schlafes selbst, die uns allzu oft gar nicht bewusst ist.

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